Besser führen mit KI?

Besser führen mit KI?

Der Einfluss der künstlichen Intelligenz auf Führung

Eine Hand hält ein kleines Robotersymbol neben einem Laptop, darüber befinden sich blaue digitale Schnittstellengrafiken.

In der Vergangenheit war Google für viele von uns die erste Adresse, wenn wir etwas herausfinden wollten. Heute beantwortet künstliche Intelligenz (KI) Fragen, entwickelt Ideen, formuliert Texte, erstellt Zusammenfassungen und schlägt Lösungen vor. Vieles davon geschieht in einer Geschwindigkeit, die uns noch vor kurzer Zeit beeindruckt hätte. 

Es ist also kein Wunder, dass immer öfter die Frage auftaucht:
Was heißt das eigentlich für Führung?

In Trainings und Coachings ist es inzwischen so, dass ich regelmäßig darauf angesprochen werde. Einige sind neugierig auf die Möglichkeiten, die KI bietet. Andere sind eher besorgt darüber, wie sich Führung verändern wird und ob der Mensch in Zukunft überhaupt noch gebraucht wird.

Aus den Fragen lässt sich häufig gut ableiten, ob sich jemand eher chancen- oder risikoorientiert dem Thema KI nähert.




„Uns braucht es noch. Und das ist auch gut so.“



Ein Werkzeug bleibt ein Werkzeug

Wenn ich gefragt werde, was künstliche Intelligenz für mich bedeutet, sage ich meist ganz einfach: Es ist ein zusätzliches Werkzeug. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich selbst setze KI mittlerweile regelmäßig ein. Einerseits um Informationen zu sammeln und andererseits um Gedanken zu sortieren. Manchmal aber auch, um ein Trainingskonzept noch einmal aus einer anderen Perspektive überprüfen zu lassen oder alternative Sichtweisen zu entwickeln. 

KI ist dafür gut geeignet. Sie verdichtet Informationen, strukturiert Zusammenhänge und eröffnet hin und wieder neue Blickwinkel. Das kann von großem Nutzen sein.

Trotzdem wäre es aus meiner Sicht ein Fehler, daraus den Schluss zu ziehen, dass KI wirklich „Führung“ kann. Denn Führung besteht eben nicht nur aus Informationen. Sie entsteht an den Orten, wo Menschen Entscheidungen treffen. Dort, wo Verantwortung getragen wird. Wo Werte, Erfahrungen und persönliche Haltung eine Rolle spielen. Und genau an dieser Stelle endet für mich die Zuständigkeit der Technologie.



Informationen sind noch kein Urteil

In der aktuellen Entwicklung beeindruckt mich die rasante Geschwindigkeit, mit der die KI Wissen verarbeitet. Das verändert unsere Arbeit und nimmt uns Prozesse ab. Es ändert jedoch nicht automatisch unsere Verantwortung. Vielleicht wird sie sogar noch größer.

Denn sobald mir eine KI in kürzester Zeit zehn verschiedene Handlungsalternativen präsentiert, beginnt meine eigentliche Aufgabe erst. Ich muss auswählen, welche dieser Optionen zur Situation, zu den Menschen und zu meinen eigenen Werten passt. 

Eine Delegation von Informationen ist möglich. Urteilsvermögen lässt sich nicht delegieren.



Die eigentliche Herausforderung heißt Selbstmanagement


Wenn man sich intensiv mit KI beschäftigt, bemerkt man schnell, dass auf jede Antwort sofort neue Fragen folgen. Eine Idee bringt die nächste hervor. Jeder Gedanke kann weiter ausgeführt werden.


Das ist beeindruckend. Es kann jedoch auch zu viel sein.

Im Grunde erleben wir nach Social Media gerade einen neuen „Information Overload“. Die Herausforderung besteht deshalb nicht darin, möglichst viele Antworten zu sammeln. Die Kunst ist, zur rechten Zeit aufzuhören.

Auch hier gilt ein Prinzip, das Führungskräfte eigentlich seit Jahren wissen sollten: Nicht alles, was möglich ist, muss auch gemacht werden.

Die Bedeutung von Selbstmanagement erhält durch KI eine neue Dimension.

Die KI als neuer Sparringspartner?


Es ist schnell gemacht: Mit Unterstützung der KI kann ich eine relevante Situation aus meinem Führungsalltag schildern, unterschiedliche Lösungswege erörtern und nach anderen Sichtweisen und Gegenargumenten suchen. Das kann meinen Blickwinkel öffnen.

Eine wichtige Voraussetzung ist dabei jedoch zu beachten: Die Qualität der Prompts bestimmt maßgeblich die Qualität und den Wert der Antworten.


Wenn ich nur eine Bestätigung suche, werde ich sie wahrscheinlich bekommen. Das fiktive Gespräch mit der KI wird aber oft viel wertvoller, wenn ich bewusst nach einer ganz anderen Perspektive frage. Erst dann entwickelt sich meines Erachtens ein echtes Sparring.


Aus diesem Grund fängt Sparring mit KI oft mit einer ehrlichen Selbstbefragung an: Brauche ich gerade Orientierung oder bin ich nur auf der Suche nach Zustimmung?



„Es braucht immer noch den Menschen, der mit seinen Haltungen, moralischen Einstellungen und Werten die Dinge bewertet.“



NotebookLM - Ein neues Werkzeug 


In den letzten Wochen habe ich mich intensiver mit „NotebookLM“ beschäftigt. NotebookLM von Google ist ein persönlicher, KI-gestützter Assistent, der aus eigenen Dokumenten (wie PDFs, Texten oder Webseiten) eine maßgeschneiderte Wissensdatenbank erstellt, die sich befragen, zusammenfassen oder sogar in Podcasts verwandeln lässt.


Dort habe ich unter anderem mein Buch „Professionelles Selbstmanagement – Die Königsdisziplin“  hochgeladen und zwei KI-Moderatoren gebeten, eine Diskussion darüber als 20-minütigen Podcast zu führen.

Mein Prompt lautete:

Bildschirm einer deutschen mobilen App mit einer Aufforderung und einer Quellenliste zum Thema Führung und dem Buch „Die Königsdisziplin“

Ich war vom Ergebnis überrascht. Nicht, weil die beiden plötzlich zu „besseren“ Einsichten gekommen wären, sondern weil sie Fragen aufgeworfen haben, die ich selbst noch nicht bedacht hatte.


Ich benutze solche Tools inzwischen genau dafür und empfinde das als inspirierend. Aber ich verliere mich nicht im Herumspielen!



KI und Führung: Die Quintessenz


Meiner Meinung nach sollten wir keine Angst vor künstlicher Intelligenz haben. Wir dürfen neugierig sein.


Wie bei jeder neuen Technologie wird es entscheidend sein, wie wir sie einsetzen. Weniger ist oft mehr.

Und vielleicht ist das die beste Nachricht inmitten all dieser Veränderungen: Letztendlich trifft weiterhin der Mensch die Entscheidung. Führung hat immer etwas mit Haltung zu tun, und Haltung gibt es nicht als Download.

Der Impuls zum Zuhören

Die Gedankenimpulse dieses Blogartikels entstammen dem Gespräch von Carsten Alex mit Audiograf Ingo Stoll. Die komplette Episode ist jetzt als Podcast verfügbar!

Diese und viele weitere Episoden des Podcast "CARSTEN ALEX - BLICK ZURÜCK NACH VORN" gibt es hier und überall wo es Podcasts gibt.

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